Israel: Skandal um palästinensischen Künstle Heimatarrest

Der palästinensische Künstler Khaled Jarrar darf Israel nicht verlassen und nach Helsinki reisen, wo er mit einer Performance an dem Projekt „To the Square 2“ beteiligt ist. Eine Kunst-Stempel-Aktion wurde ihm zum Verhängnis.

Bei der Berlin-Biennale vor zwei Jahren gehörte sein Beitrag zu den eindrucksvollsten Werken. Khaled Jarrar, der zu jener Schar aufbegehrender Künstler im Nahen Osten gehört, hatte die Existenz des Staates Palästina einfach behauptet, indem er für ihn einen eigenen Passstempel und Briefmarken entwarf. In der Ausstellung in den Kunst-Werken waren sowohl gestempelte Pässe als auch Postkarten und Briefe mit der fingierten Marke zu sehen, die tatsächlich um die Welt gegangen waren. Ein gewagtes Spiel: Wer immer sich den Stempel in seine Papiere drücken ließ, beging damit einen Akt des zivilen Ungehorsams und riskierte, als Reisender bei den israelischen Grenzbehörden Probleme zu bekommen.

Nun hat es den palästinensischen Künstler, der mit seiner Berliner Stempel-Aktion international bekannt wurde, selbst erwischt. Ihm wurde die Ausreise in Ramallah verweigert und damit sein Besuch in Helsinki verwehrt, wo er mit einer Performance an dem Projekt „To the Square 2“ beteiligt ist. Es ist offensichtlich, dass das Verbot der Israeli Security Agency in engem Zusammenhang mit Jarrars zweitem großen Auftritt im Ausland steht. Im Rahmen seines Beitrags für die Helsinki Festwochen sollen 50 uniformierte Personen durch die Straßen der finnischen Hauptstadt ziehen und schließlich auf dem bekannten Lasipalatsi-Platz wieder zusammenfinden. „To the Square 2“ beginnt am 18. August und beschäftigt sich mit der Bedeutung des öffentlichen Raumes für die Artikulation des Politischen und die Kunst des Protestes. Wie die Kuratoren nun mitteilen, wird die Performance von Jarrar auch ohne ihn stattfinden.

Für den Künstler kommt die Zurückweisung an der Grenze nicht ganz überraschend. Erst im Frühsommer hatte man ihm die Ausreise verwehrt, als er zur Eröffnung seiner Ausstellung im New Museum in New York fahren wollte. Damals hieß es noch, das Verbot gelte bis zum 1. August, nun wurde es bis zum 1. September verlängert. Gemeinsam mit der israelischen Menschenrechtsanwältin Lea Tsemeal setzt Jarrar sich nun zur Wehr und protestiert offiziell. Was auch immer passiert, seine Kunst ist in der Welt. Erst im vergangenen Jahr war er wieder an einer Berliner Ausstellung beteiligt. Ihr Titel: „United Nations Revisited“.