Kritik an Polizei nach Toten bei Zerstörung in Beduinendorf

Seit Jahren verfolgt Israel den Plan, die 700 Bewohner des Beduinendorfes Umm al-Hiran im Negev zugunsten jüdischen Siedler umzusiedeln. Die israelischen Polizisten kamen mit schwerem Gerät nach Umm al-Hiran, um die ersten Häuser zu zerstören. Hunderte Anwohner und Demonstranten stellten sich ihnen entgegen - angeführt von mehreren arabischen Knesset-Abgeordneten.

Nach Behauptungen der israelischen Polizei eskalierten die Auseinandersetzungen schon vor Sonnenaufgang, als ein Dorfbewohner mit seinem Auto in eine Gruppe von Polizisten fuhr. Die israelische Polizisten erschossen den Mann am Steuer, den 50 Jahre alten Mathematiklehrer Yacoub Abu al-Qiyan.

Die Polizei behauptet, der Fahrer habe – womöglich inspiriert von IS-Attacken – sein Auto gezielt in die Menge der Uniformierten gesteuert. Die Beduinen und einige Demonstranten von vor Ort bestreiten dies vehement. Der Mann, ein 50-jähriger Mathematiklehrer, habe lediglich wegfahren wollen, als er von Polizisten beschossen wurde. Ein Video scheint dies zu stützen, da das Auto bei den ersten Schüssen nur Schritttempo hat und erst danach beschleunigt einen Hügel runter in die Reihen der Polizisten rollt.

Auch arabische Knesset-Abgeordnete, die vor Ort die Räumungsproteste unterstützten, machten den massiven Polizeieinsatz mit Tränengas und anderen Geschossen für das Geschehen verantwortlich. Man habe ausschließlich gewaltfrei demonstrieren wollen, sagte Ayman Odeh, Fraktionschef der oppositionellen Gemeinsamen Liste, „die Polizei hat alles ruiniert“. Er musste wegen einer Platzwunde am Kopf, die ihm ein gummiummanteltes Stahlgeschoss zugefügt haben soll, ins Krankenhaus.

Dem Fall Umm al-Hiran misst die gesamte arabische Minderheit in Israel hohen Symbolwert im Kampf gegen eine diskriminierende Regierungspolitik bei. Zumal der dort lebende Beduinenstamm sein ursprüngliches Land an einen Kibbuz verlor und sich Mitte der 50er Jahre auf Weisung der Armee an der jetzigen Stelle, nahe dem Jattir-Wald, niederließ.

Auf den gleichen Platz warfen allerdings vor rund zehn Jahren religiöse jüdische Israelis ihr Auge. In einem langwierigen Prozess entschied schließlich ein Gericht 2016 zu ihren Gunsten.