Amnesty International: Israel beschoss friedliche Menschenmenge an

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf den Streitkräften der israelischen Besatzung vor, eine friedliche Menschenmenge mit Blendgranaten, Tränengas und Gummigeschossen an einem Zugang zum Al-Haram beschossen zu haben. Die Organisation Palestinian Prisoners Club teilte mit, mindestens 119 Menschen seien festgenommen worden, 21 von ihnen weiter in Gewahrsam.

Außerdem gab das palästinensische Gesundheitsministerium bekannt, dass die Zahl der bei den jüngsten Auseinandersetzungen Getöteten auf sechs gestiegen sei. Das sechste Opfer, ein 26-jähriger Palästinenser, wurde demnach drei Tage zuvor im Westjordanland verletzt.

Israel: Die Palästinenser dürfen nicht feiern

Bei erneuten Ausschreitungen am Al-Haram Al-Sharif in Jerusalem sind nach Angaben des Roten Halbmondes mindestens 100 Menschen verletzt worden.

Als Reaktion auf den Abbau der Metalldetektoren hatten muslimische Geistliche und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas dazu aufgerufen, wieder am Al-Haram  zu beten und den Boykott zu beenden. Daraufhin strömten Tausende Muslime zur Al-Aksa-Moschee. Einige kletterten auf das Dach und schwenkten palästinensische Flaggen. Das was die israelischen Besatzer nicht ertragen können.

Die Menschen seien durch Gummimantelgeschosse israelischer Polizisten getroffen worden und hätten Tränengas eingeatmet, teilte der palästinensische Rettungsdienst Roter Halbmond am Donnerstagnachmittag mit. Die Soldaten der israelischen Besatzung trieben die Palästinenser nach Medienberichten mit Schlagstöcken auseinander. Außerdem entfernten sie  die gehissten palästinensischen Flaggen auf den Moscheen.

Israel spielt weiter mit dem Feuer und installiert hochauflösender Kameras

Nach den Auseindersetzungen in den Letzten Tagen hat die israelische Besatzung die umstrittenen Metalldetektoren an Zugängen zum Al-Haram Al-Sharif (Edles Heiligtum) in Jerusalem wieder entfernt. Polizisten der Besatzung hätten die Tore im Verlauf der Nacht zum Dienstag abgebaut.

Israelische Medien berichteten, auch neu angebrachte Überwachungskameras an Eingängen zum Al-Haram seien abmontiert worden. Stattdessen sollten künftig andere hochmoderne Überwachungsmethoden eingesetzt werden, teilte die Regierung mit. Laut Medienberichten soll es sich unter anderem um Kameras zur Gesichtserkennung handeln. Israels Sicherheitskabinett entschied, dafür bis zu rund 24 Millionen Euro in den kommenden sechs Monaten bereitzustellen.

Die für den Al-Haram Al-Sharif zuständige Waqf-Behörde werde überprüfen, ob die Sicherheitsmaßnahmen innerhalb und außerhalb der Stätte tatsächlich abgebaut worden seien, teilte das Gremium am Dienstag mit. Anschließend werde die Waqf einen Bericht vorlegen. Danach wolle man neu entscheiden, ob der Boykott beendet werden könne. Die Wakf ist Teil des Gremiums.

Nach einer Kabinettssitzung am Morgen gab die Palästinensische Autonomiebehörde eine Stellungnahme ab. "Wir lehnen alle Maßnahmen ab, die durch die israelische Besatzungsmacht gegen christliche und muslimische heilige Stätten verhängt wurden, und fordern die Rückkehr zu der Situation, die vor dem 14. Juli existierte", hieß es darin. Am Freitag hatte Abbas aufgrund der blutigen Unruhen jegliche Beziehungen zu Israel abgebrochen.

Die Palästinenser lehnen jegliche Änderung des Status quo an der heiligen Stätte ab, das heißt, sie beharren auf einen freien Zugang zu ihren Gebetsstätten auf dem Al-Haram Al-Sharif ohne zusätzliche Kontrollen und Überwachung.

UNO drängt auf Lösung vor Freitag

Der UN-Beauftragte für den Friedensprozess im Nahen Osten, Nikolaj Mladenow, hatte zuvor darauf gedrängt, eine Lösung für den aktuellen Konflikt vor den nächsten Freitagsgebeten zu finden - da sonst eine neue Eskalation drohe. Er warnte davor, die Vorkommnisse als örtliches Problem zu unterschätzen. Sie hätten vielmehr internationale Sprengkraft.

"Die mögen sich vielleicht auf ein paar Hundert Quadratmetern in Jerusalem abspielen, aber sie beeinflussen Hunderte von Millionen, wenn nicht Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt", sagte Mladenow. "Sie haben das Potenzial für katastrophale Auswirkungen (...) weit jenseits des Nahen Ostens."

Die Aufstellung der Metalldetektoren hatte Palästinenser und Teile der muslimischen Welt in Wut versetzt und Unruhen ausgelöst, bei denen vier Palästinenser und drei israelische Siedler getötet wurden.

Tote in israelischer Botschaft in Jordanien

Bei einer Schießerei auf dem Gelände der israelischen Botschaft in Jordanien sind Sicherheitskreisen zufolge zwei Menschen getötet worden. Beide sollen Jordanier sein. Zwei weitere Personen seien bei dem Vorfall am Sonntag in Amman verletzt worden, darunter ein Israeli.

Die Schüsse seien in einem Gebäude gefallen, nachdem zwei jordanische Mitarbeiter einer Möbelfirma das Gelände betreten hätten, gab die Polizei bekannt. Details lagen zunächst nicht vor, Israel verhängte eine Informationssperre.