Palästinenser retten israelischen Siedler aus tiefem Erdloch

Im Westjordanland haben Palästinenser einen israelischen Siedler nach sechs Tagen aus einem tiefen Erdloch gerettet. Der Mann sei am Sonntag in den Schacht hinabgestiegen, um sich für eine Weile zurückzuziehen, sagte eine Sprecherin der Zivilverwaltung der israelischen Besatzung in den Palästinensergebieten am Samstag.

„Doch dann ist das Seil gerissen, mit dem er wieder heraufsteigen wollte“, sagte sie. Seitdem harrte der Mann allein in dem Erdloch aus. Palästinensische Polizisten hätten ihn schließlich entdeckt und mit einer langen Leiter gerettet, erklärte die Sprecherin.

Die Zeitung „Times of Israel“ veröffentlichte am Samstag ein Video, das die Rettung zeigte. Ein Mitglied des palästinensischen Rettungsteams sei sogar in den Schacht hinabgestiegen, um die Geldbörse des Mannes für ihn heraufzuholen.

Die Palästinenser hätten ihn nach der Bergungsaktion israelischen Sanitätern übergeben.

Netanjahu dankt Abbas für palästinensische Hilfe

Nach fünftägigen Großbränden hat Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas am Samstag für palästinensische Hilfe bei der Flammenbekämpfung gedankt. 

Palästinensische Repräsentanten haben Vorwürfe Israels zurückgewiesen, viele der Großbrände in Israel und dem Westjordanland in den vergangenen Tagen seien gezielt von Palästinensern gelegt worden. Netanjahu selbst hatte von "Terror" gesprochen.

Netanjahu habe Abbas am Abend angerufen, teilte sein Büro am Samstag mit. Während des Gesprächs habe er Dankbarkeit darüber ausgedrückt, dass die Palästinenser acht Feuerwehrwagen und 40 Einsatzkräfte nach Israel geschickt haben. "Netanjahu schätzt auch die Tatsache, dass Juden und Araber Opfer der Feuer in ihren Häusern aufgenommen haben", hieß es in der Mitteilung. Auch Oppositionsführer Izchak Herzog dankte den Palästinensern und äußerte die Überzeugung, "dass aus dieser Tragödie ein Schimmer der Hoffnung erwächst, dass die Dinge anders sein können."

Palästinenser weisen Vorwurf der Brandstiftung zurück

Die Palästinenser haben die Vorwürfe der Brandstiftung nach den verheerenden Großbränden in Israel zurückgewiesen. Wasel Abu Jussef, Mitglied des PLO-Exekutivkomitees, bezeichnete die Anschuldigungen als „grundlos und unzutreffend“. Der israelische Polizeichef Roni Alscheich hatte am Donnerstag gesagt: „Es ist davon auszugehen, dass die Fälle von Brandstiftung nationalistisch motiviert waren.“ Israelische Medien sprachen bereits von einer „Feuer-Intifada“ von Palästinensern. Die Polizei nahm bis Freitagmorgen zwölf Menschen fest.

Grund für die Feuer sind eine anhaltende Dürre und starke Winde. Die Polizei ermittelt aber auch wegen Brandstiftung. Der Minister für öffentliche Sicherheit, Gilad Erdan, hatte am Donnerstag politisch motivierte Brandstifter für die Feuersbrunst verantwortlich gemacht. Bildungsminister Naftali Bennett erklärte, die Feuer könnten nicht von Juden gelegt worden sein. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, jede Brandstiftung als „Terrorakt“ zu verfolgen.

„Israelische Offizielle versuchen damit, die israelische Öffentlichkeit gegen die Palästinenser aufzuhetzen und nicht mehr“, sagte der PLO-Vertreter. Sie würden alles Schlechte den Palästinensern zuschreiben. Das sei ein einfacher Weg, „um jegliche persönliche Verantwortung für die Geschehnisse zu vermeiden.“

Ähnliche Kritik äusserte laut «Haaretz» Oppositionspolitiker Jussef Dschabarin: «Diese Anschuldigungen sind arrogant und unverantwortlich und stellen eine gefährliche und wilde Hetze gegen die arabische Bevölkerung dar.» Es seien auch arabische Gebiete betroffen gewesen. «Und das Feuer in Haifa unterscheidet auch nicht zwischen Juden und Arabern.»

Auch im Westjordanland gibt es seit Mittwoch Brände, unter anderem in der Nähe von Ramallah. Dort gab es allerdings nach Behördenangaben zunächst keine Menschen mit Rauchvergiftungen und keine Beschädigungen von Häusern.

Israel will Lautsprecher auf Moscheen verbieten

Israelische Parlamentarier gehen gegen die angebliche Lärmbelästigung durch Moscheen vor. Sie wollen Lautsprecher auf Gebetshäusern verbieten. Über einen entsprechenden Gesetzesvorschlag sollen voraussichtlich in der kommenden Woche die Abgeordneten in Jerusalem das erste Mal abstimmen.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat bereits massiven Widerstand angekündigt, sollte das Gesetz verabschiedet werden. Die Muezzins fordern die gläubigen Muslime fünf Mal am Tag zum Gebet auf.

Ein Minister-Ausschuss hat bereits für das Gesetz gestimmt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu unterstützt die Initiative. Ultra-orthodoxe Kräfte in der Regierung hatten kurzzeitig protestiert, weil sie selbst Nachteile für den Schabbat befürchteten. Nun soll sich die Regelung auf die Nacht beschränken.

Israel lehnt Friedenskonferenz in Paris ab

Israel hat Frankreich aufgerufen, auf die Pläne zur Einberufung einer Nahostkonferenz zu verzichten, und betont, dass Tel Aviv nicht an den Gesprächen teilnehmen wird, die für Ende dieses Jahres geplant sind. Das teilte die israelische Regierung mit.

Hochrangige Mitarbeiter der Kanzlei der israelischen Regierung hatten am Montag in Jerusalem den französischen Sondergesandten in der Region, Pierre Vimont, empfangen und ihm die offizielle Position Israels übermittelt, die in der Alternativlosigkeit direkter Verhandlungen mit den Palästinensern zur Lösung des gegenseitigen Konfliktes besteht.

„Dem französischen Gesandten wurde zu verstehen gegeben, dass Israel nicht an irgendeiner internationalen Konferenz teilnehmen wird, die dieser Position widerspricht“, heißt es in einer Mitteilung nach dem Treffen. „Israel ist davon überzeugt und erwartet, dass Frankreich weder die Konferenz noch einen Prozess fördern wird, die der offiziellen Position Israels widersprechen würde“, hieß es in der Pressemitteilung.

Frankreich will bis zum Jahresende eine große Nahostkonferenz unter Teilnahme der Israelis und der Palästinenser abhalten, um sie zur Beilegung des Konflikts zu bewegen. Die Vorbereitung dieses Treffens wurde von Delegationen aus fast 30 Ländern und internationalen Organisationen besprochen, die sich im Juni in Paris versammelt hatten.

Die Palästinenser sprechen hingegen vom endgültigen Scheitern der direkten Gespräche und beschweren sich über die Ungleichheit der Verhandlungspositionen mit den Israelis und treten für die Einbeziehung eines möglichst breiten Spektrums von Ländern ein – nach dem Vorbild der Lösung des Atomstreits mit dem Iran.