US-Sondergesandter reist nach Israel

Nach den schwersten Zusammenstößen zwischen Israelis und Palästinensern seit Jahren schicken die USA einen Spitzendiplomaten in die Region. Der Sondergesandte von US-Präsident Donald Trump für internationale Verhandlungen, Jason Greenblatt, machte sich noch am Sonntag auf den Weg nach Israel, wie ein Regierungsvertreter in Washington sagte. Trump und die Regierung verfolgten die Ereignisse in der Region genau.

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas (Abu Mazen) hatte am Freitagabend unter dem Eindruck der Konfrontationen alle Beziehungen zu Israel ausgesetzt. Die schließt erstmals seit einem Jahrzehnt auch die Sicherheitszusammenarbeit mit Israel ein, wie Abbas am Sonntag bestätigte. Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman sagte der Nachrichtenseite "ynet" dazu am Sonntag: "Wir sind viele Jahre lang ohne Sicherheitszusammenarbeit ausgekommen, wir werden es auch jetzt schaffen."

Israel installiert neue Überwachungskameras

Im Streit über Sicherheitskontrollen an der Al-Aksa Moschee in Jerusalem hat die israelische Besatzung neue Überwachungskameras am Eingang zur heiligen Stätte angebracht. Es ist offen, ob die Kameras die umstrittenen Metalldetektoren ersetzen oder ergänzen sollen.

Die Palästinenser lehnen beide Maßnahmen ab. Die Verschärfung der Sicherheitschecks hatte nach dem Freitagsgebet zu schweren Ausschreitungen geführt. Vier Palästinenser starben, 400 wurden verletzt. Israel hatte nur Männern über 50 und Frauen den Zutritt zur Al-Aksa-Moschee gestattet. Al-Aksa-Moschee und Felsendom auf dem Plateau werden von den Muslimen als heilige Stätten verehrt.

Arabische Liga: Israel spielt mit dem Feuer

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abul Gheit, warnte in dem Streit um die Sicherheitskontrollen Israel vor Konsequenzen. "Die israelische Regierung spielt mit dem Feuer und riskiert es, eine große Krise mit der arabischen und der islamischen Welt auszulösen", sagte er nach Angaben eines Sprechers in Kairo. Jerusalem sei für Araber und Muslime eine rote Linie, die nicht überschritten werden dürfe.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas brach am Freitag auch die Beziehungen zu Israel ab.

Israel nimmt 25 Palästinenser fest

Israelische Besatzungssoldaten nahmen in der Nacht 25 Menschen im Westjordanland fest, wie untere anderem die "Jerusalem Post" berichtet. Eine Sprecherin der Besatzungsarmee bestätigte die Festnahme.

Die Festnahmen seien eine Vorsichtsmaßnahme. Sie folgen auf Unruhen, bei denen am Freitag drei Palästinenser ermordet und Hunderte verletzt worden waren. 

Papst warnte vor einer Eskalation

Papst Franziskus warnte vor einer Eskalation des Konflikts. Er verfolge die schweren Spannungen und die Gewalt mit großer Sorge, sagte er nach dem Angelusgebet in Rom. Er fühle die Notwendigkeit für einen "Appell zu Mäßigung und Dialog".

Auch auf internationaler Ebene herrscht nun Sorge vor einer weiteren Zuspitzung des Nahost-Konflikts. Die Uno, die EU, die USA und Russland riefen Israel und Palästinenser zur Mäßigung auf. Der Uno-Sicherheitsrat setzte für Montag eine Dringlichkeitssitzung an. Dort werde beraten, "wie Appelle zu einer Deeskalation unterstützt werden können", kündigte der schwedische Uno-Botschafter Carl Skau an. Das Auswärtige Amt in Berlin appellierte an alle Beteiligten, zur Deeskalation beizutragen.