Brief an die deutschen Politiker

Sehr geehrte ...

Sehr geehrter...

Wir wissen nicht, ob Sie zu den deutschen Zionisten gehören, die nach dem Grundsatz "Right or wrong - my best believed country" jeden Schritt der israelischen Regierung billigen und jetzt in die Gratulationshymnen zum 65. Jahrestag der

Staatsgründung Israels einstimmen - 65 Jahre nach dem Tag, an dem die Stimme aus den Lautsprechern, die die Staatsgründung verkündete, das Weinen und die Schreie der palästinensischen Kinder, Frauen und Männer übertönte, die unter den Schlägen, Tritten und Schüssen der bewaffneten Kräfte des neuen Staates zusammenbrachen oder aus ihren Dörfern flüchteten.

Wir wissen auch nicht, ob Sie schon einmal Zeit und Gelegenheit hatten, einen Blick in die UNO-Resolution 181 ("Teilungsplan für Palästina.") zu werfen. Es ist ein Dokument, das seit dem 12. Mai 1948, dem Tag der einseitigen, mit der UNO und den damaligen Großmächten nicht abgestimmten Staatsgründung; von den Herrschenden Israels und ihren Freunden ebenso ignoriert wird wie seither Dutzende von Resolutionen und Appellen der Vereinten Nationen und ihres Sicherheitsrates.

Zwei Staaten sollten entstehen, ein jüdischer und ein arabischer, und das Land Palästina sollte geteilt werden - nicht ganz gerecht, wenn man die Bevölkerungszahl zugrunde legte, aber doch mit exakt fixierten Grenzen. Israel ist bis heute ein grenzenloser Staat geblieben (was es dem denkenden Menschen schwer macht, ernsthaft über seine "Anerkennung" zu diskutieren).

Vom ersten Tage seiner Existenz an haben die Regierenden Israels das Ziel eines "jüdischen Staates" vom Nil bis zum Euphrat, vom Mittelmeer bis über den Jordan verfolgt, indem sie die palästinensische Bevölkerung mit militärischer und paramilitärischer Gewalt von ihrem Land vertrieb - und nach der Besetzung die Idee Theodor Herzls, des Gründers der zionistischen Bewegung, umsetzte: "Den Privatbesitz der angewiesenen Ländereien müssen wir sachte enteignen. Die arme Bevölkerung trachten wir unbemerkt über die Grenze zu schaffen, indem wir ihr in den Durchgangsländern Arbeit verschaffen, aber in unserem eigenen Lande jederlei Arbeit verweigern." (Tagebuch, 12.06.1895)

Für die Bewohner Palästinas begann mit der Gründung des Staates Israel eine Katastrophe, die bis heute anhält. Vier bis fünf Millionen vertriebene Menschen und ihre Nachkommen leben in Flüchtlingslagern. Die Bewohner des Gazastreifens - 1,5 Millionen Menschen - werden ausgehungert und von der Energiezufuhr abgeschnitten, weil sie - unter internationaler Kontrolle ganz demokratisch - die falsche Partei gewählt haben. Die Palästinenser im Westjordanland wurden eingemauert. Die jüdischen Siedlungen fressen Jahr für Jahr und Tag für Tag palästinensisches Land. Die Palästinenser in Jerusalem werden "sachte enteignet". Die palästinensischen Staatsbürger Israels - jeder fünfte Einwohner - werden vom Gesetzgeber ökonomisch diskriminiert.

Diese Menschen werden schwerlich in den Gesang einstimmen, der zum Ruhme Israels ertönt.

Aber auch alle, für die der Grundsatz der gleichen Rechte für alle Menschen dieser Welt etwas gilt, alle, denen die Einhaltung der international vereinbarten Menschenrechte und des international vereinbarten Völkerrechts ein hohes Gut ist, sollten nachdenken und sich informieren, bevor sie in den Jubelchor einstimmen.

 

Freunde Palästinas

www.freunde-palaestinas.de

29.04.2013