Bethlehem - Internationales Erbe

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Palästinensische Diplomatie erreichte am Wochenende einen bescheidenen Erfolg als die Altstadt von Bethlehem auf die Liste des Kulturellen Welterbes gesetzt wurde. Der UNESCO sei Dank, die auf ihrem Treffen am 29. Juni 2012 in Petersburg die älteste Stadt der Christenheit, darunter die Geburtskirche und den Pilgerweg, zu einem Teil des internationalen Erbes

machte und damit unter Schutz stellte. Das bedeutet allerdings, dass Israel und sein treuer Vasall, die USA und nicht zu vergessen Deutschland und andere Staaten gegen die Registrierung stimmten. 13 Staaten waren dafür; aber 6 Gegenstimmen und 2 Enthaltungen zeigten das Desinteresse des selbsternannten jüdisch-christlichen Abendlandes am eigenen religiösen und historischen Hintergrund.

Palästina stellte damit auch das palästinensische Kulturerbe unter internationalen Schutzschirm, um es vor den israelischen Okkupanten und Besatzern zu schützen. Israel und die extremistischen Siedlerbanden zögern keinen Moment heilige Plätze zu entweihen. Sie beschmieren Kirchenwände, brennen Moscheen nieder. In der Westbank ebenso wie im besetzten Ostjerusalem. Schauen wir auf die antiken Spuren im Heiligen Land, stellen wir fest, dass Israel rücksichtslos muslimische Grabstätten "übernimmt" - wie die Abraham-Moschee in Hebron. Die Heilige Moschee Al-Aqsa wird unterwühlt, um nach angeblich vorhandenen Spuren von Salomons Tempel zu suchen. Die Bilal-Moschee in Bethlehem wird als Rachels Dom weitergeführt und Josefs Grab in Nablus in eine Synagoge umgewandelt usw. usw. Es ist erstaunlich, wie einige westliche Staaten gegen die Entscheidung der UNESCO opponierten, nur um Israel und dessen Lobby in den Hauptstädten zu gefallen.

Der Schutz muslimischer und christlicher Heiligtümer ist Teil des palästinensischen Kampfes gegen Israels Besatzungsmacht und deren andauernden Landraub. Indem Israel gezielt die demographischen Verhältnisse in der Westbank ändert und die historischen Spuren der Palästinenser zerstört oder in eigene, jüdische umwandelt, verfolgt die Besatzungsmacht eine alte politische Strategie. Jetzt kritisiert Israel die UNESCO Entscheidung in Petersburg als "politische" und nicht als religiöse oder kulturell begründete.

Seit mehr als 40 Jahren annektiert Israel den Ostteil Jerusalems und begann mit "Grabungsarbeiten" unter der Al-Aqsa Moschee. Diese Arbeiten wurden immer wieder von Forderungen begleitet, die zu einer Teilung der Gebäude zwischen Juden und Muslime führen sollten. Es war schon Arafat, der nachdrücklich erklärte, dass die Al-Aqsa Moschee ein muslimischer Schrein sei und nicht den Palästinenser alleine gehört. Al-Aqsa wird von rund 1,5 Milliarden Muslime in aller Welt verehrt und kein Palästinenser ist berechtigt, Konzessionen zu machen. All das missachtet Israel und baut Synagogen und jüdische Museen unter der Al-Aqsa Moschee, in der Hoffnung, seinen Griff nach den Heiligen Stätten zu verstärken und sie in eine rein jüdische Synagoge umzuwerten oder sogar den Tempel wieder zu errichten, den kurz nach Beginn der Zeitrechnung die Römer zerstörten.

Religiöse Gefühle und Interessen von Muslimen und Christen zu berücksichtigen liegt nicht in Israels Interesse und deswegen gab es von jüdischer Seite entsprechenden Widerstand zur Erhebung der Geburtskirche - des spirituellen Geburtplatzes von Jesus - in ein schützenswertes kulturelles Welterbe. Das wird Israels Ansehen in der Welt nicht verbessern! Diese Arroganz der israelischen Behörden und Staatsorgane wird deren Isolation in der Welt verstärken, natürlich auch der Unterstützer. Es ist kurzsichtig von diesem expansionistischen Israel, internationale Prinzipien und Werte politischen Interessen unterzuordnen.

Die Frage, die aufkommt, ist: Wie können diese unterwürfigen westlichen Regierungen eine solche Haltung ihren Bürgern erklären? Wie kann ein Land mit angeblich christlicher Mehrheit seine Opposition gegen die Aufnahme der Geburtskirche Jesus in geschütztes Weltkulturerbe vermitteln? Wir würden das ja noch verstehen, wenn es um den Schutz der Al-Aqsa Moschee ginge. Aber einer verehrten Kirche den Schutz verweigern, aus wahltechnischen oder politischen Gründen, ist fern von moralischen und menschlichen Werten. Solche Haltungen werden nur die militärische Okkupation und die Arroganz der Besatzungsmacht verstärken, wie schon seit Jahrzehnten!

Es muss gesagt werden, dass eine solche kriecherische Pro-Israel Einstellung sich ändern wird, wenn die Welt tagtäglich die Bilder der ermordeten Palästinenser sieht und den damit einhergehenden Landraub. Die Errichtung von Siedlungen auf privatem palästinensischen Grund und Boden gehören dazu. Die Eintragung palästinensischer kultureller und religiöser Stätten in das Weltkulturerbe ist nicht erfolgt, nur um Israel und seinen Freunden etwas entgegenzusetzen. Es soll Israels ungestörte und straflose Besatzungspolitik beenden!

05.07.2012
Freunde Palästinas