Wieder ... Hetze gegen Israel?

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Präsident Abbas Rede vor der UN-Generalversammlung provozierte Ärger in der israelischen Führungsriege, von Netanyahu bis Liebermann. Seine Rede wurde mehrfach als Provokation Israels bezeichnet. In einem Moment, wo Israel wieder einmal um seine Existenz kämpft, vor allem wegen der "iranischen Bedrohung".



Präsident Abbas wurde zum wiederholten Male als Hindernis für einen Frieden beschrieben und Lieberman rief die internationale Gemeinschaft auf, ihn zu isolieren oder ihm wenigstens seine Rechtmäßigkeit abzuerkennen. Auf seinem Treffen mit französischen, spanischen und russischen Außenministern erklärte Minister Liebermann seinen Gesprächspartnern, dass alle, die Abbas` Rede gehört hätten, verstehen müssten, dass "er gar kein Partner für einen Frieden mit Israel sein wolle!"

Haaretz berichtete, dass als Netanyahu eine Aufzeichnung dieser Rede anschaute, er regelrecht explodiert sei. Weiter schrieb das Blatt, dass Netanyahu Abbas bei einem Treffen mit Nan-Ky-Moon nach der Rede massiv beschuldigt habe, dass diese Rede ein Angriff auf Israel darstelle, ungeachtet aller israelischen Hilfestellungen gegen einen drohenden Kollaps der palästinensischen Autonomieverwaltung. Er drückte ebenfalls seine Besorgnis über Präsident Abbas Art und Weise des Umgangs mit der derzeitigen israelischen Regierung aus.

Auf der anderen Seite erklärte der israelische Minister Daniel Hershkovitz, dass es an der Zeit sei, die angestrebte palästinensische Eigenstaatlichkeit endlich von der Agenda zu entfernen. "Präsident Abbas` Rede vor der UN ließ erkennen, dass jeder Staat, östlich unserer Grenzen neu gegründet, Israel bedrohen würde. Es ist kein Platz für einen Staat zwischen unserem Jordantal und dem Mittelmeer!"

Wieder einmal steckt Israels Regierung in ihrer eigenen Logik des Krieges in Permanenz fest, während die Möglichkeiten, mit seinen unmittelbarsten Nachbarn - den Palästinensern - ins Reine zu kommen, langsam aber sicher immer weniger werden. In Israels Logik (so man dieses Denken überhaupt mit dem Wort Logik beschreiben kann) belegen die seit 6 Jahrzehnten geübten Umgangsformen mit den Palästinensern, dass eine Lösung der Frage nicht besonders dringlich sei, ungeachtet aller Übereinkommen und UN-Resolutionen. Palästinenser können doch unter Israels gnädiger Besatzung weiterleben und die extremistische Siedler mit den ihnen zugemuteten "Leiden". Israel kann dann mit (s)einer althergebrachten Kolonialpolitik und Mentalität wunderbar in Isolation und mit den halbseidenen internationalen Verurteilungen leben.

Auf der anderen Seite haben die Palästinenser kein Recht, ständig über ihre Lebensbedingungen zu stöhnen und wenn sie es trotzdem machen, dann ist es ein nichts weiter als ein hinterhältiger Angriff auf Israel, weil sie ja sowieso alle Juden hassen. Israel ist schon so generös und überweist palästinensische Steuern zu seinen rechtmäßigen Eigentümern, während es gleichzeitig TÄGLICH palästinensisches Eigentum "konfisziert". Netanyahu blendet völlig aus, dass Israel andauernd und zunehmend palästinensische Rechte verletzt und die ethnischen Säuberungen in Ostjerusalem und anderen Teilen der besetzten Gebieten - besonders in der Zone C in der Westbank - vorantreibt. In Netanyahus Rede findet der uneingeschränkte Raub von Wasserressourcen in der Westbank ebenso wenig statt, wie die Behandlung Tausender palästinensischer Häftlinge in Israels Haftzentren. Er sprach auch nicht über die Siedlungen und den Mauerbau, die sich schlangengleich um palästinensische Ortschaften legen. Die unmenschliche Belagerung des Gazastreifens seit mehr al 6 Jahren, die diesen in das Weltgrößte Open Air - Gefängnis verwandelt hat wurde nicht einmal am Rande erwähnt.

Diese Fakten bedrücken das Leben von Präsident Mahmoud Abbas uns seinem Volk und nicht eine fiktive Bedrohung von Außen, dieses Mal vom Iran. Israel ist schon eine Nuklearmacht und dazu die einzige in der Region. Es gibt viele Aussagen, dass Israel mehr als 200 nukleare Sprengköpfe, respektive Bomben, besitzt. Miniaturisiert (nach altdeutscher Lizenz) bis hin zur mehrfachen Leistung der Hiroshima-Bombe. Dazu kommen die uneingeschränkte US-Militärhilfe und die Vetos in der UN.

Um die Region zu befrieden, muss der Staat Israel sich von seinen ungerechtfertigten aber auch von gerechtfertigten Ängsten befreien. Priorität muss den nahe liegenden und dringlichsten Aufgaben gewährt werden, den Nachbarn z.B., die in langen Jahrzehnten der Besatzung in Agony verfallen sind und nicht ständig vor Angst wegen eines Wolfes schreien, der das arme Schaf Israel fressen will. Ein besseres Rezept wäre auch, wenn Israel endlich einmal die eigenen unterzeichneten Friedensabkommen mit den Palästinensern ernst nehmen würde und sich aus den 1967 besetzten Territorien zurückzieht!

04.10.2012
Freunde Palästinas