Gaza zwischen Montag 17.00 Uhr und Dienstag 05.00 Uhr

Eine Spielzeugpistole schwimmt in einer Blutpfütze. In einer anderen Blutlache liegt in paar Sandalen, das einem der acht Kinder gehörte, die bis vor wenigen Minuten noch lebten und in dem kleinen Park des Schatti-Flüchtlingslagers vielleicht gerade Fangen spielten oder Fußball. Durch die Wasserrinne auf der Straße rinnt Blut. Die Bäume haben keine Blätter mehr. Sie liegen auf der Straße, auf den Dächern der zerstörten Autos, in den Blutlachen. Das Blut, das die grünen Blätter rot färbt, ist von acht toten Kindern und von drei Erwachsenen, die am späten Montagnachmittag gegen 17.00 Uhr Ortszeit bei einer starken Explosion am Eingang des Parks gestorben sind. Mindestens weitere 40 Personen wurden zum Teil sehr schwer verletzt. Der Ort der Explosion ist ein Ort des Grauens, an Häuserwänden kleben Überreste menschlichen Gewebes. Ein Vater rennt mit einer Plastiktüte in der Hand zu dem Rettungswagen, in dem seine tote Tochter liegt. Der Vater zeigt dem Sanitäter Gehirnmasse seiner Tochter, indem er den Boden der Plastiktüte behutsam anhebt. "Nimm das mit für die Bestattung", sagt er zum Sanitäter. Ein anderer Vater trägt seinen toten Sohn zu der Ladefläche eines Pritschenwagens. Er wird von Männern begleitet, die den Tekbir "Allahu Akbar", "Gott ist groß", rufen und dabei Handyfotos von der verstümmelten Leiche aufnehmen. Anwohner versuchen eine schreiende Frau, die ihre Schwester verloren hat, zu beruhigen. Ein Mann liegt bewußtlos auf der Straße. Ein Arzt versucht ihn wiederzubeleben. Szenen eines ganz normalen Nachmittags in Gaza Stadt. Die Palästinenser machen einen israelischen Luftangriff für die Explosion am Park verantwortlich, ein Sprecher des israelischen Militärs bestreitet dies und macht eine fehlgeleitete Rakete der Hamas für das Massaker verantwortlich.

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Hilferuf aus dem Gazastreifen

Seit dem 22. Juli bin ich im Gazastreifen und ich kann einfach nicht glauben, was hier passiert. Ich erlebe die schlimmsten Tage meines Lebens. Alle Menschen in Gaza erleben die schlimmsten Tage ihres Lebens. Denn so massiv wie in dieser Wochen waren noch keine Angriffe auf Gaza. Hinter diesen Worten verbergen sich menschliche Tragödien. Die humanitäre Katastrophe in Gaza hat einen neuen Höhepunkt erreicht.

Der Krieg in Gaza ist ein Krieg gegen Zivilisten. Das sage nicht nur ich, sondern auch die Menschen in Gaza und die Journalisten, mit denen ich spreche, von denen einige so ziemlich sämtliche Kriege der letzten zehn Jahre abgedeckt haben (Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien, etc…). Was hier passiert, hat eine besondere Qualität.

Überall schlagen Raketen ein. In Wohnhäuser, in denen Familien leben, in Moscheen, in denen Menschen beten. Am frühen Abend des 30. Juli bombardierte ein F16-Kampfjet das Wohnhaus, das bis dahin schräg gegenüber unseres Hauses stand. Wir saßen gerade auf dem Balkon als die Rakete 50 Meter entfernt einschlug. Kurz zuvor hörte ich noch einen Esel hysterisch wiehern, als ob er den Angriff schon ahnte und uns warnen wollte.

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Der Gazastreifen nach drei Wochen Krieg

Freitagsgebet: 700 Muslime haben sich in engen Reihen in der Kirche des Sankt Porphyrios-Klosters der Erzdiözese Gaza versammelt. Es sind 150 Familien, die aus den umkämpften Gebieten des Gazastreifens hierher, in das griechisch-orthodoxe Kloster geflohen sind. "Muslime und Christen leiden gleichermaßen unter der Bombardierung von Gaza", sagt eine 32-jährige muslimische Frau, die mit ihrem erst vor einigen Tagen geborenen Baby aus dem zerstörten Viertel Shajaiya ins Kloster geflohen ist.

Der Morgen danach: Vor dem Innenhof des Klosters steht ein Lkw der Hilfsorganisation "Islamic Relief". Helfer nutzen eine Feuerpause, um Lebensmittel, Wasser, Decken und Medikamenten auszuladen. Rami Mahani, Manager von "Islamic Relief", warnt vor einer humanitären Katastrophe: "Seit Beginn der Angriffe vor fast drei Wochen gibt es 200 000 Flüchtlinge", sagt er. "Sie während des Ramadan bei Rekordtemperaturen um 35 Grad und der Blockade des Gazastreifens ausreichend zu versorgen, ist nahezu unmöglich."

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