90% der Gazaner leben unter der Armutsgrenze

Lebensbedingungen in Gaza, die schon vorher unmenschlich waren, wurden nach der letzten verwüstenden 50-Tage-Offensive noch schlechter.

Der Chef des Palästina Komitee gegen die Belagerung, Jamal al Khodari verurteilte am Mittwoch, dass 90% der Palästinenser, die im Gazastreifen leben, unter der Armutsgrenze leben,  und zwar wegen der starken Zunahme der Arbeitslosenrate.

Nach Khodari ist das individuelle Einkommen im Gazastreifen täglich unter  $2.

„Im Allgemeinen sind alle Lebensbereiche schwer betroffen, einschließlich der Landwirtschaft. Der von der Landwirtschaft  benützte Boden wurde  durch giftige  Stoffe der  israelischen Raketen, die die Farmen trafen, kontaminiert.“

Khoudary, der auch ein Mitglied des palästinensischen Parlamentes ist, warnt auch  vor den sanitären Bedingungen im Gazastreifen, einem der am dichtesten bevölkerten Gebiete der Welt.

Etwa 95% des Wassers ist nicht trinkbar, sagte er, und das Meer ist schwer kontaminiert auf Grund der 40 Millionen Liter von unbehandeltem Wasser, das täglich ins Meer fließt, was natürlich auch die Fischindustrie beeinflusst.

In seiner Erklärung warnte auch Khodari vor den Bedingungen der Infrastruktur in Gaza, wo Israels Bomben Schulen, Krankenhäuser und Mediengebäude zerstörte.

UN-Daten verraten, dass mehr als 40 000 Häuser, 141 Schulen, 29 Krankenhäuser, Dutzende von Fabriken und große Teile der Ernte von Israels Bomben während seiner gewalttätigen Attacke des Gazastreifens zerstört wurden.

Unterdessen drängte der Quartett- ( UN, Russland US und die EU) Gesandte für den Nahen Osten, der frühere britische Ministerpräsident Tony Blair, dass der Wiederaufbau beginnen müsse.

„ Die prekäre Situation in Gaza und im südlichen Israel, die Gefahr, dass die Gewalt jeden Augenblick wieder auftauchen könnte, ist  sehr wohl der Grund, so schnell wie möglich kurzfristig und langfristig mit den Wiederaufbaubemühungen zu beginnen,“ sagte Blair  bei einer Erklärung im Quartett-Office.

Mehr als 2100 Palästinenser, meistens Zivilisten wurden während des Krieges getötet, während nur 64 israelische Soldaten und drei Zivilisten angeblich von palästinensischen Raketen  getötet wurden.

telesurtv.net,
(Dt. Ellen Rohlfs)

Leben in Trümmern

Zwei Tage nach dem Waffenstillstand kniet Hanin al Ajla in ihrem schwarzen Kleid auf einer dünnen Schaumstoffmatratze mit abgenutztem Blümchenbezug. Die Sonne scheint der 20-Jährigen ins Gesicht. Es ist heiß, stickig. Fliegen schwirren in der Luft. An den Wänden ihres weißen Containers kleben keine Tapeten, nur ein paar Sticker der Hilfsorganisation für palästinensische Flüchtlinge UNRWA.

Seit über einem Monat harrt sie mit ihrer neunköpfigen Familie in einem zwölf Quadratmeter großen Container in der Selahaddin Schule in Gaza-Stadt aus, die wie viele UN-Schulen als Flüchtlingslager genutzt wird. „Als wir uns unser altes Haus angeschaut haben, war das so traurig.

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Kinder im Gaza-Streifen: "Wir leben im ständigen Kriegszustand"

Ein Bild dieses Kriegs bekommt Dschamil Abdel Atti nicht mehr aus dem Kopf. Der Psychologe hat es selbst gemacht, mit seinem Handy. Das Foto zeigt einen Jungen mit zusammengekniffenem Mund und traurigen Augen. Er hält eine Zeichnung in die Kamera.

Dschamil Abdel Atti hatte den Jungen gebeten, das zu malen, was ihn am meisten bedrücke. Mit einem dicken orangefarbenen und einem violetten Holzstift malte das Kind ein Flugzeug, das Bomben abwirft, darunter liegt ein Mann in einer Blutlache am Boden. Neben ihm steht ein Junge, eine Sprechblase über sich. "Baba mat", steht da auf Arabisch. Papa ist tot.

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Berliner Arzt im Gaza

Als Teil eines Teams von Ärzten arbeitete der Berliner Anästhesist Roland Georgieff in der größten Klinik im Gazastreifen. Die ersten Eindrücke waren ein Schock für den 47-Jährigen.

Der Junge war acht Jahre alt, Roland Georgieff sorgte dafür, dass er ohne Schmerzen starb. Er dosierte das Narkosemittel in der nötigen Menge; für ihn, den Anästhesisten, in diesem Moment eine routinierte Handbewegung.

Der emotionale Absturz kam später, am Abend. Georgieff hat schon Menschen aus zerquetschten Autos geholt, er hat verbrannte Kinder behandelt, aber dieser Achtjährige war nicht bloß verbrannt, er hatte auch noch grausame Schusswunden. „So etwas hatte ich noch nie gesehen“, sagt Georgieff.

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Video: Bomben auf Gaza: Ohne deutsche Medien

http://youtu.be/uCxZ6RVzg00

Teil 2 von der Grenze zum Gazastreifen mit Martin Lejeune, einziger deutscher Journalist, der während der Bombardierungen in Gaza war und von dort berichtete (Teil 1 zur Situation in Gaza)