Ein-Staat-Modell als einzige Lösung

In Bezug auf Israel gibt es eine „Immunisierung des Denkens“, die „verhindert, dass die Realität so wahrgenommen werden kann, wie sie ist.“ Der Leser von Petra Wilds aktuellem Buch „Apartheid und ethnische Säuberung in Palästina. Der zionistische Siedlerkolonialismus in Wort und Tat“ spürt bald die Tendenzen der Autorin. In der Palästina-Frage geht sie sowohl mit der israelischen Politik, als auch mit jener des Westens, hart ins Gericht. Als einzige Lösung sieht Wild ein Ein-Staat-Modell.

Denn historisch betrachtet sei die Ein-Staat-Lösung die einzig mögliche. Dabei schreibt Wild Südafrika eine gewisse „Modellfunktion“ zu. Gleiche Rechte für alle, gleiche Staatsbürgerschaft für alle, fordert die Autorin im Gespräch mit der APA in Anspielung auf die Abschaffung des Apartheid-Regimes in Südafrika in den 1990er-Jahren. Derzeit sei Israel ein „ethnokratischer Staat“, wo eine Ethnie, die Israelis,


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Die ethnische Säuberung Palästinas

Die ethnische Säuberung Palästinas gehört zu jenen dunklen Kapiteln des 20. Jahrhunderts, die von interessierter Seite gerne verdrängt werden. Das hat den israelischen Politikwissenschaftler Ilan Pappé, Leiter des Instituts für Konfliktforschung an der Universität Haifa, nicht daran gehindert, sich mit dem Thema gründlich auseinanderzusetzen und die Ergebnisse seiner Forschung der Öffentlichkeit zu unterbreiten.

Dass die Vertreibung der Palästinenser systematisch nach Plan verlief, belegt u.a. der Historiker Ilan Pappe in seinem jüngsten Buch.

Die zionistische Führung um David Ben Gurion sammelte detaillierte Informationen über die arabischen Dörfer und Städte und deren BewohnerInnen. Anhand dieser Daten wurden genaue militärische Pläne zur Vertreibung der einheimischen arabischen Bevölkerung aus dem zukünftigen Staatsgebiet Israels erstellt.

(Ilan Pappe: Die ethnische Säuberung Palästinas, Frankfurt am Main 2007)

 

 


 

Die Nakba erinnern

Unter den Begriff nakba ( Katastrophe ) fassen Palästinenser die Geschehnisse im Kontext des ersten arabisch-israelischen Kriegs 1948, unmittelbar nach der Staatsgründung Israels, zusammen. 60 Jahre politischer und kultureller palästinensischer Produktion von keineswegs homogenen - Erinnerungen stehen dabei einem so wahrgenommenen hegemonialen israelischen

(Sieger-)gedächtnis gegenüber. Dieses Buch zeigt anhand von Interviews mit palästinensischen Flüchtlingen in Jordanien sowie Analysen eines breiten Spektrums schriftlicher Quellen mittels eines erinnerungstheoretischen Forschungsansatzes die Formen und Funktionen von nakba-Erinnerungen auf. Es beleuchtet nicht nur Deutungsmuster und -ressourcen der nakba-Narrative sowie ihre Brüche und Differenzen, sondern macht auch ihre Implikationen für Gegenwart und Zukunft deutlich.

 

 

 


 

Nakba - Die offene Wunde

Vergessen ist keine Lösung »Wir müssen alles tun, um sicherzugehen, dass sie [die Palästinenser] niemals zurückkommen8201;... Die Alten werden sterben, die Jungen werden vergessen.«

Dies notierte Israels Staatsgründer David Ben Gurion am 18.8201;Juli 1948 in seinem Tagebuch. Und so hoffen es viele israelische Politiker immer noch. Doch die palästinensischen Flüchtlinge, die Marlène Schnieper in ihrem Buch über die Nakba porträtiert, haben nicht vergessen. »Nakba«, das ist di...e alles umstürzende Katastrophe, die über die arabischen Einwohner des historischen Palästinas kam, als in einem Teil dieses Territoriums der jüdische Staat gegründet wurde. Zerstört wurden Dörfer und Städte, eine in mancher Hinsicht blühende Kultur. Ersatz ist nicht in Sicht. Das offizielle Israel mag diese Umstände verharmlosen - die Katastrophe ist bis heute nicht verwunden. Sie prägt das Leben der Betroffenen. Das führt uns Marlène Schnieper eindringlich vor Augen. Sie hat mit Vertriebenen und deren Angehörigen gesprochen und ihr Schicksal aufgeschrieben. Dazu liefert sie geschichtlichen Hintergrund, webt Sequenzen aus dem heutigen Alltag in Israel und den Palästinensergebieten ein und resümiert neuste Forschungsergebnisse über die ­Wahrnehmung des Konflikts. So vervollständigt sich das Bild des an Dramatik reichen nahöstlichen Geschehens.