65 Jahre Nakba - 65 Jahre Vertreibung

14. Mai 1948: Was die Israelis als Beginn der Geschichte des eigenen Staates feiert, bedeutet für die Palästinenser eine Katastrophe (Nakba). Nakba symbolisiert die gewaltsame Vertreibung der palästinensischen Zivilbevölkerung aus ihren

Häusern, Dörfern und ihrem Land, ihre Enteignung, den Raub ihrer wirtschaftlichen und natürlichen Ressourcen, die Verdrängung oder Auslöschung ihrer Geschichte, die systematische Diskriminierung der im Gebiet des heutigen Israel verbliebenen Menschen.


65 Jahre Nakba - 65 Jahre Vertreibung
Im Zuge der Staatsgründung Israels 1948 wurden drei Viertel der arabischen Bevölkerung Palästinas vertrieben. Mit Einschüchterungen, Angriffen auf Dörfer und ZivilistInnen und Massakern trieben die zionistischen militärischen Verbände die einheimische arabische Bevölkerung aus ihren Dörfern. Mit einem Schlag wurden rund 800 000 Menschen entwurzelt.

Vertreibung nach Plan
Dass die Vertreibung der Palästinenser systematisch nach Plan verlief, belegt u.a. der israelische Historiker Ilan Pappe in seinem jüngsten Buch. Die zionistische Führung um David Ben Gurion sammelte detaillierte Informationen über die arabischen Dörfer und Städte und deren Bewohner. Anhand dieser Daten wurden genaue militärische Pläne zur Vertreibung der einheimischen arabischen Bevölkerung aus dem zukünftigen Staatsgebiet Israels erstellt. (Ilan Pappe: Die ethnische Säuberung Palästinas, Frankfurt am Main 2007)

Spuren tilgen
In den Jahren nach der Staatsgründung versuchte die zionistischee Armee, die Spuren der arabischen Gesellschaft weitgehend auszulöschen. Über 500 Dörfer wurden zerstört, Strassen und Dorfnamen geändert, die Vertriebenen enteignet. Auch den Palästinenser, die als intern Vertriebene innerhalb der neuen israelischen Grenzen lebten, wurde der Zugang zu ihren Häusern und Dörfern verweigert. Die neuen Tatsachen wurden durch verschiedene Gesetze zementiert. Rückkehrende Flüchtlinge wurde hart bestraft, viele erschossen. Einen Grossteil des palästinensischen Landes eignete sich der israelische Staat an.

Mythen
Zur Vertuschung der ethnischen Säuberung wurden verschiedene Mythen gebildet. Es hiess, die Palästinenser seien freiwillig gegangen oder von arabischen Nachbarstaaten zur Flucht aufgefordert worden. Auch der alte Mythos vom "Land ohne Volk für ein Volk ohne Land" oder der "Wüste, die zum Erblühen gebracht wurde", sollte helfen, die Vertreibung zu leugnen. Diese Behauptungen halten historischen Fakten nicht stand. Es bedurfte aber eines neuen Selbstbewusstseins der Palästinaflüchtlinge und der Palästinenser in Israel sowie der kritischen Forschung einer neueren Generation von israelischen Historikern, um sie ins öffentliche Bewusstsein zu rufen.