Historischer Hintergrund

Um 1900 war Palästina zur überwiegenden Mehrheit von Palästinensern bewohnt, darunter 600'000 Moslems und 70'000 Christen – auch 80'000 Juden lebten dort. Die Palästinenser lebten damals hauptsächlich von der Fischerei, der Viehzucht

und der Landwirtschaft. Hauptprodukte Palästinas waren Getreide, Oliven, Zitrusfrüchte (mit Export nach Europa), Tabak und Wein.

Im November 1947 beschloss die UN-Generalversammlung die Teilung von Palästina, Jerusalem sollte einem „besonderen internationalen Regime“ unterstellt werden. Die Palästinenser lehnten diese Teilung ab. Für sie war es undenkbar, ihr eigenes Land zu teilen und es erschien ihnen ganz besonders illegitim, dass den Juden, die einen Drittel der damaligen Bevölkerung ausmachten, 55 Prozent zugesprochen wurde. Die Zionisten stimmten der Teilung öffentlich zu, auch wenn sie nie bereit waren, sich daran zu halten.

„Das Land ist in unsern Augen nicht das Land seiner jetzigen Bewohner...Wenn man sagt, dass das Land „Eretz Israel“ das Land zweier Nationen sei, so verfälscht man die zionistische Wahrheit doppelt...Palästina muss und soll nicht die Frage beider Völker lösen, sondern nur die Frage eines Volkes, des jüdischen.“  
(Ben Gurion 1937)

Dem UN-Teilungsbeschluss folgten schon Anfang Dezember die ersten Angriffe und Terrorakte der Haganah auf palästinensische Dörfer und Zivilisten (Plan Gimmel). Das Land wurde zunehmend in militärische Auseinandersetzungen verstrickt. Am 14. Mai 1948 rief Ben Gurion die Gründung Israels aus, ein Tag bevor das Britische Mandat auslief. Tags darauf marschierten die umliegenden arabischen Staaten in Palästina ein.

Der erste arabisch-israelische Krieg endete mit einem Sieg der israelischen Streitkräfte. Es gelang ihnen, die Grenzen weit über die im Teilungsplan vorgesehenen Markierungen hinaus zu schieben - und sich der überwiegenden Mehrheit der Palästinenser zu entledigen: 418 palästinensische Dörfer wurden von der israelischen Armee zerstört, 800 000 – 900 000 Palästinenser/innen zur Flucht gezwungen.

„Ich bin für einen obligatorischen Transfer. Es gibt zwei zentrale Aufgaben: Souveränität und die Reduzierung der Zahl der Araber im jüdischen Staat. Jene, die sich nicht anpassen können, werden das Land verlassen müssen.“  

(Ben Gurion 1938)

Bei Unterzeichnung der Waffenstillstandsabkommen 1949 umfasste das israelische Staatsgebiet 78 Prozent der Fläche Palästinas. Auch Westjerusalem stand nun unter israelischer Besatzung. Der „ethnisch“ fast reine Staat zählte nur noch rund 150'000 Palästinenser/innen, die bis 1966 einem Militärregime unterworfen waren. Bis zu diesem Zeitpunkt lebten sie - wegen des Embargos zwischen Israel und den arabischen Staaten - in totaler Isolation.

Nur zwei Territorien entzogen sich dem israelischen Zugriff: das Westjordanland mit Ostjerusalem, das Jordanien 1950 annektierte, und der kleine Gaza-Streifen, der unter ägyptische Kontrolle geriet, aber selbst verwaltet blieb. Die Israelische Bevölkerung nennt ihn „Befreiungskrieg“. Für die Palästinenser/innen wurde der erste arabisch- israelische Krieg zur Nakba, zur "Katastrophe":

„Die zionistischen Gruppen und später die israelische Armee begingen eine Vielzahl von Massakern, deren Dokumentation als „Verteidigungsgeheimnis“ teilweise noch immer in den Archiven ruht. Die PalästinenserInnen wurden Opfer einer systematischen Vertreibungspolitik, die durch eine gewisse Konzeption von „jüdischem Staat“ gerechtfertig wurde.“
(Alain Gresh, Israel-Palästina, die Hintergründe eines unendlichen Konflikts, Rotpunktverlag)

Seit Anfang der neunziger Jahre ist eine Gruppe jüdischer Historiker und Schriftsteller bestrebt, die Mythen der israelischen Staatsgründung zu hinterfragen.

„Nur wenige gaben zu, dass die Geschichte der Rückkehr, Erlösung und Befreiung ihrer Väter auch eine Geschichte von Eroberung, Vertreibung, Unterdrückung und Tod ist.“
(Iron Ezrachi, jüdischer Schriftsteller in Le Monde Diplomatique, 16.12.97)