„Die Braut ist schön, aber schon vergeben!“

Gedanken zum Jahrestag von Al Naqbah, der längsten Katastrophe nach 1945

So lautete das Telegramm einer Gesandtschaft Wiener Rabbis, die nach dem Baseler Zionistischen Kongress die Pläne Theodor Herzls, der in Palästina eine „Heimstatt für Juden“ aufbauen wollte, vor Ort überprüfen sollten. JA, das Land war

schon bewohnt. Palästina war schon „vergeben“.  Aber das interessierte in einer Welt der Nationalstaaten und des „normalen“ Kolonialismus des ausklingenden 19. Jahrhunderts auch keinen europäischen Juden. War T. Herzl doch auch nur ein so genannter assimilierter Jude, der Hebräisch nicht verstand und der die Kultur und das Politikverständnis seiner wenig republikanischen Umwelt verinnerlicht hatte. Das Problem, welches sich bis heute für die Menschen im besetzten Palästina und für alle Menschen guten Willens darstellt, ist die Tatsache, das Israel diese Mentalität bis zum heutigen Tag beibehalten hat. Selbst Regierungsmitglieder sprechen der unterdrückten einheimischen Bevölkerung, ganz in der Manier europäischer Kolonialherren, immer wieder in übelster Art und Weise ihr Menschsein ab.

Man stelle sich vor, ein Bürger der EU spräche in dieser Tonart über Menschen einer Bevölkerungsgruppe oder Religionsgemeinschaft in seinem Land.

Das Leben in den ganz in der Apartheid-Manier verwalteten und unterdrückten Palästinensergebieten wird systematisch unmöglich gemacht. Nicht nur, dass landwirtschaftlich genutzte Böden verwüstet werden (wie gerade wieder geschehen), Menschen an Kontrollpunkten sterben müssen, weil selbst Krankenwagen einfach festgehalten werden, oder Schulkinder nur sporadisch ihre Schulen und Universitäten erreichen können. Von den staatlich gewollten Morden ganz zu schweigen.

Dieser nun seit 1948 andauernde und immer unerträglicher werdende Zustand ist ohne jeden Zweifel mit dem Beginn der Herabwürdigung der Juden, ihrer wirtschaftlichen und kulturellen Verfolgung ab 1933 bis hin zur verschärften Ghettoisierung und zeitweiligen   – von den demokratischen Nationen gerade mal genehmigten – Vertreibung [offiziell freiwillige Ausreise] bis hin zum direkten Angriff in der „Reichskristallnacht“ zu vergleichen. Auch in Palästina werden die Menschen bei Nacht aus den Häusern geprügelt und verschleppt. Die Mehrheit des israelischen Volkes schaut gebannt zu und demonstriert kaum gegen diese Politik, eine Friedensbewegung mit hochanständigen Menschen wird von Politikern der jeweils regierenden Parteien auch schon mal mit Mord bedroht, und Soldaten/Offiziere die den Dienst im besetzten Gebiet verweigern, werden hart bestraft.

Israelische Politiker forderten in den letzten Jahren immer wieder einen vollständigen „Transfer“ der Palästinenser, auch aus dem israelischen Kernland, nach Jordanien und Ägypten. In einer israelisch-russischen Zeitung forderte ein Herr sogar die „Kastrierung“ aller Palästinenser ganz offiziell und ohne Folgen für ihn oder seine Regierung. Dieser Zustand und der Fakt, dass Israel mit der letzten verbliebenen Großmacht USA aufs engste zusammenarbeitet und von dort nur Zustimmung erfährt, erschwert natürlich eine Reaktion z.B. europäischer Politiker. Denn hier wirken zwei Dinge nach: zum ersten die Scham vieler Deutscher wegen des massenhaften Judenmordes bis 1945 und zum zweiten die bekannte„Antisemitismuskeule“, die jedem droht, der es wagt, all das oben genannte zu kritisieren. Gerade diese psychopathische Einstellung der Nachkommen der Opfer in der inzwischen 3. Generation wird eines auf lange Sicht bewirken: ein Anwachsen des Antisemitismus im Stil des 19. Jahrhunderts. Denn wenn ehrliche Kritik abgetan und der Kritiker als Antisemit gebrandmarkt wird, werden sich die Kritiker irgendwann einmal ein anderes Ventil suchen. Und dann werden auch die deutschen Juden, die die Politik Israel blind verteidigen. mit auf der Anklagebank sitzen.

 

Denn „auch die Hand derer, die schweigen, wird vom Blut der Opfer rot sein!